Von der Kuppelklemme zur KI: Seilbahnen im Wandel der Technik

Maria Christina Sorko

3 Min. Lesedauer

Im Gespräch mit Raphael Buchner, Account Manager bei GrECo, spricht Rudolf Strele, verantwortlich für Rechtsabteilung, Compliance und Versicherungen bei Doppelmayr Seilbahnen GmbH, über die technologische Evolution der Seilbahnsysteme, den Wandel im Risikomanagement und warum Digitalisierung, Nachhaltigkeit und starke Partnerschaften heute entscheidend für den langfristigen Erfolg sind.

Buchner: In den letzten 100 Jahren gab es einige bedeutende historische Ereignisse in Mittel- und Osteuropa. Wie hat sich Ihr Unternehmen an einige dieser Ereignisse angepasst und darauf reagiert?

Strele: Als technisches Unternehmen haben uns insbesondere technologische Entwicklung beeinflusst und geprägt. Innovationen zu schaffen und technische Produkte zu nutzen bzw. weiterzuentwickeln war stets Teil der strategischen Ausrichtung. Denn Innovation bringt Fortschritt.

Auch die Internationalisierung und Globalisierung war für uns als international ausgerichtete Unternehmensgruppe eine enorm wichtige Entwicklung.

Buchner: Wenn Sie auf das vergangene Jahrhundert zurückblicken, was waren die bedeutendsten Herausforderungen im Bereich Risikobewältigung in Ihrer Branche und wie wurden sie überwunden?

Strele: Früher waren Seilbahnen oft einfachere Konstruktionen mit begrenzten Sicherheitsvorkehrungen. Mit steigenden Beförderungszahlen und technologischem Fortschritt gingen strengere Sicherheitsnormen einher, die heute in internationalen Vorschriften festgelegt sind. Die Einführung von redundanten Sicherheitssystemen, automatisierten Überwachungstechnologien und strengen Prüfverfahren half, Seilbahnen zu einem der sichersten Verkehrsmittel der Welt zu machen.

Mit der Weiterentwicklung der Technologie ermöglichen digitale Systeme immer bessere Möglichkeiten für Echtzeitüberwachung und Anpassung der Betriebsparameter, um wetterbedingte Risiken zu reduzieren.

Mit wachsendem Umweltbewusstsein wurde es für Seilbahnhersteller auch essenziell, den Seilbahnbetreibern energieeffiziente und nachhaltige Lösungen bieten zu können. Der standardmäßige Einsatz von E-Motoren, geringe Flächenverbauungen bei Gebäuden und Stützen, Fortschritte in der Energierückgewinnung, regenerative Bremssysteme und alternative Energiequellen wie Photovoltaiksysteme tragen dazu bei, den ökologischen Fußabdruck deutlich zu mindern.

Und um wirtschaftliche Risiken aufgrund globaler Marktveränderungen zu minimieren, setzten wir schon früh auf die Errichtung von lokalen Niederlassungen und strategische Partnerschaften.

Auch die Integration von digitalen Technologien war und ist eine bedeutende Herausforderung und Chance zugleich. Wir haben die letzten Jahre intensiv in die Entwicklung neuer Lösungen investiert, welche sich am Markt bereits sehr gut etabliert haben, beispielhaft dafür sind die autonomen Seilbahnen und vernetzte Steuerungssysteme.

Buchner: Welche bedeutenden Erfindungen gab es in den letzten 100 Jahren, die Ihre Branche revolutioniert haben?

Strele: Industrialisierung und Automatisierung haben unsere Industrielandschaft stark geprägt. Auch in der Seilbahnbranche gab es zahlreiche Meilensteine in der Entwicklung der Technologie, die den Grundstein für den heutigen Stand der Technik sowie den hohen Komfort- und Sicherheitslevel gelegt haben. Darunter fallen die Entwicklung der Kuppelklemme, verschiedenste Sicherheitsüberwachungen wie die Seillageüberwachung, Antriebskonzepte, und vieles mehr.

Aktueller Treiber von revolutionärer Technik ist die Digitalisierung, die Nutzung von künstlicher Intelligenz sowie die Potenziale, welche sich aus der Nutzung von Daten ergeben.

Buchner: Wie hat sich der Ansatz Ihres Unternehmens zum Risikomanagement im Laufe der Jahre entwickelt und welche wichtigen Lektionen haben Sie aus vergangenen Erfahrungen gelernt?

Strele: In der Seilbahnbranche lag der Fokus früher vor allem auf mechanischer Sicherheit, heute ist Risikomanagement ein ganzheitlicher Prozess, der Technik, Umwelt, Digitalisierung und wirtschaftliche Faktoren integriert.

Wir als Hersteller setzen auf präventive Maßnahmen wie vorausschauende Wartung, Echtzeit-Überwachungssysteme und digitale Zwillinge zur Simulation und Früherkennung möglicher Risiken. Die Einführung von Redundanzprinzipien und modernen, fehlersicheren Steuerungssystemen und deren kontinuierliche Weiterentwicklung hat zu äußerst zuverlässigen Anlagen geführt.

Mit der Digitalisierung eröffnete sich auch im Seilbahnkontext der hohe Bedarf an Cyber Security. Mit diesem gestiegenen Risiko sind hohe IT-Sicherheitsmaßnahmen heute selbstverständlich.

Buchner: Was sind Ihre Vorhersagen für die zukünftige Risikolandschaft in Ihrer Branche und wie planen Sie, angesichts dieser Herausforderungen widerstandsfähig und innovativ zu bleiben?

Strele: Nur durch ständige Weiterentwicklung und das frühzeitige Erkennen von Trends und Risiken ist man als Unternehmen wettbewerbsfähig und sicher. Für Doppelmayr bedeutet das, den Pioniergeist zu bewahren sowie Innovationen weiter zu fördern, um einen Schritt voraus zu sein und gleichzeitig flexibel zu bleiben.

Außerdem ist es wichtig, die richtigen Partner zu haben, auf die man sich verlassen kann. So ein Partner ist für uns GrECo, der uns seit mittlerweile 60 Jahren sehr zuverlässig mit maßgeschneiderten globalen Versicherungslösungen unterstützt.

Über die Doppelmayr Gruppe

Die Doppelmayr Gruppe repräsentiert insbesondere Qualitäts-, Technologie- und Marktführerschaft im Bau von Seilbahnsystemen für den Personen- und Materialtransport sowie hochtechnologischer Intralogistik-Lösungen. Das Unternehmen blickt auf eine 130-jährige Geschichte und auf ein Jahrhundert an Erfahrung in der Planung, Entwicklung, Konstruktion, Produktion und Bau von Seilbahnen zurück. Diese bewährte Technologie und die damit erzielte Zuverlässigkeit trägt dazu bei, dass die Seilbahn eine beliebte und leistungsstarke Mobilitätslösung geworden ist – in Ski- und Ausflugsgebieten sowie in Städten und an Flughäfen weltweit.

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Maria Christina Sorko
September 23, 2025