Vom Klingen-Schmied zur globalen Marke mit Mut und Weitblick

Maria Christina Sorko

2 Min. Lesedauer

Im Interview mit Jürgen Spari, Regional Manager bei GrECo in der Steiermark, gibt Christian Knill, President / CEO Knill Energy Holding GmbH, einen Blick hinter die Kulissen einer Familiengeschichte, die bereits in der 13. Generation fortgeschrieben wird.

Spari: In den letzten 100 Jahren gab es einige bedeutende historische Ereignisse in Mittel- und Osteuropa. Wie hat sich Ihr Unternehmen an einige dieser Ereignisse angepasst und darauf reagiert?

Knill: In den letzten 100 Jahren hat sich unsere Knill Gruppe vom Schmiedeunternehmen Mosdorfer, welches damals noch hauptsächlich Sicheln produziert hat, nach dem 2. Weltkrieg in einen globalen Anbieter von Hochspannungsfreileitungsarmaturen entwickelt. Nachdem keine Sicheln mehr benötigt wurden, musste ein neues Produkt gefunden werden, um den Betrieb erhalten zu können. Gott sei Dank war mein Großvater Friedrich Knill mutig und wurde mit einem ersten Auftrag für den Energiemarkt 1949 belohnt. Auch die Öffnung Osteuropas haben wir sehr früh genutzt und bereits 1992 ein Unternehmen in der Slowakei gegründet.

Spari: Wenn Sie auf das vergangene Jahrhundert zurückblicken, was waren die bedeutendsten Herausforderungen im Bereich Risikobewältigung in Ihrer Branche und wie wurden sie überwunden?

Knill: In den vergangenen 100 Jahren gab es viele Herausforderungen, wirtschaftliche, technologische, politische, aber auch persönliche. Ich glaube, dass jede Übergabe eines Familienunternehmens eine große Herausforderung darstellt, die wir bisher allerdings immer sehr gut bewältigen konnten. Immerhin ist bei uns schon die 13. Generation in den Startlöchern. Auch die bereits genannte Umstellung von Sicheln, Sensen, Buschmessern und anderen Schmiedeteilen hin zu Hochsicherheitskomponenten für den Energiebereich war mit vielen Risiken gesät. Und nicht zuletzt haben wir viele Unternehmen übernommen oder gegründet, was manchmal wie ein Sprung ins kalte Wasser ist.

Spari: Welche bedeutenden Erfindungen gab es in den letzten 100 Jahren, die Ihre Branche revolutioniert haben?

Knill: Im Energiebereich ist sicherlich der Einzug des Computers für die Steuerung und Kontrolle von Freileitungen ein Meilenstein gewesen.  Auch die Möglichkeit, Hochspannungsleitungen unterirdisch zu verlegen, ist erwähnenswert.

Spari: Wie hat sich der Ansatz Ihres Unternehmens zum Risikomanagement im Laufe der Jahre entwickelt und welche wichtigen Lektionen haben Sie aus vergangenen Erfahrungen gelernt?

Knill: Es braucht finanzielle Stabilität, um (unvorhersehbare) Krisen und Probleme zu bewältigen. Das heißt, sich auch für Akquisitionen und große Investitionen mit Maß und Ziel zu verschulden. Die Verschuldung muss immer zur Ertragskraft des Unternehmens passen.

Unerlässlich ist dabei aktives Risikomanagement, sowohl auf der operativen Ebene (Qualitätsmanagement, Produktion) als auch auf der finanziellen Seite (Liquiditätsrisiko, Rohstoffpreisrisiko, Währungsrisiko, Zinsrisiko).

Ein aktives, engmaschiges Controlling bzw. Finanzberichterstattung, das zügige Monatsberichte und einen detaillierten Ansatz des Controllings umfasst, ist ebenfalls wichtig.

Spari: Was sind Ihre Vorhersagen für die zukünftige Risikolandschaft in Ihrer Branche und wie planen Sie, angesichts dieser Herausforderungen widerstandsfähig und innovativ zu bleiben?

Knill: Die Transformation des Energiemarktes ist aktuell voll im Laufen. Viele neue Einspeiser, die manchmal zu viel, manchmal zu wenig einspeisen während trotzdem ein verlässliches Stromnetz verfügbar sein soll, ist sicherlich eine große Herausforderung. Für uns bedeutet dies steigende Nachfrage, mehr Komplexität, neue Märkte mit Wünschen zu lokalisieren und immer größere Anforderungen an unsere Lösungen. Wir versuchen daher immer breit aufgestellt zu sein, offen für Neues zu bleiben, finanziell stark und unabhängig zu sein und die besten Mitarbeiterinnen zu bekommen.

Über die Knill Gruppe

Die Knill Gruppe ist eine global tätige Unternehmensgruppe mit 27 Unternehmen in 17 Ländern der Welt mit Sitz in Weiz. Geführt in zwölfter Generation, von den Brüdern Christian und Georg Knill, zählen die Unternehmen in den beiden Kernsparten dem Energiebereich (Knill Energy Gruppe) und dem Sondermaschinenbau (Rosendahl Nextrom Gruppe) zu den Weltmarktführern. Überall dort wo heute in Infrastruktur im Bereich Energie, Kommunikation und Mobilität investiert wird, finden sich Produkte und Lösungen der Knill Unternehmen.

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Maria Christina Sorko
September 23, 2025