Ob Weltkriege, EU-Erweiterung oder Pandemie – Manner hat in über 130 Jahren Unternehmensgeschichte viele bittere Zeiten erlebt, aber stets mit süßer Konsequenz reagiert. Im Interview mit Johannes Werdenich, Account Manager bei GrECo, verrät Karin Steinhart, Leiterin Unternehmenskommunikation & Sponsoring bei Josef Manner & Comp. AG, wie das Traditionsunternehmen mit Innovationskraft, einem feinen Gespür für Wandel und einem stabilen Waffelboden aus Werten und Verantwortung durch jede Krise navigiert. Ein Gespräch über Risikomanagement, Digitalisierung und warum man auch in stürmischen Zeiten nicht aufhören sollte, rosa zu denken.
Werdenich: In den letzten 100 Jahren gab es einige bedeutende historische Ereignisse in Mittel- und Osteuropa. Wie hat sich Ihr Unternehmen an einige dieser Ereignisse angepasst und darauf reagiert?
Steinhart: Manner blickt auf eine über 130-jährige Geschichte zurück und hat zahlreiche Umbrüche miterlebt – von Kriegen über politische und wirtschaftliche Transformationen bis hin zu technologischen Revolutionen. Besonders prägend war für uns die Erweiterung der Europäischen Union. Sie ermöglichte uns den gezielten Ausbau unseres Exportgeschäfts, das heute rund 40 Länder umfasst. Auch bedeutende technologische Entwicklungen, wie etwa die Erfindung des ersten funktionalen Computers haben unsere Produktions- und Verwaltungsstrukturen verändert. In jeder Phase war es unser Ziel, uns flexibel an neue Rahmenbedingungen anzupassen und dabei unsere Markenidentität zu bewahren.
Werdenich: Wenn Sie auf das vergangene Jahrhundert zurückblicken, was waren die bedeutendsten Herausforderungen im Bereich Risikobewältigung in Ihrer Branche und wie wurden sie überwunden?
Steinhart: Eine der größten Herausforderungen der jüngeren Vergangenheit war die Covid-19-Pandemie. Sie stellte auch für uns bei Manner eine tiefgreifende Belastung dar – sei es durch unterbrochene Lieferketten, sich veränderndes Konsumverhalten oder durch die Aufrechterhaltung sicherer Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter*innen. Durch schnelle Anpassung unserer Produktions- und Hygienekonzepte sowie durch vorausschauendes Krisenmanagement konnten wir diese Ausnahmesituation erfolgreich bewältigen. Unsere Fähigkeit, flexibel zu reagieren und gleichzeitig unsere Qualitätsstandards aufrechtzuerhalten, war dabei entscheidend.
Werdenich: Welche bedeutenden Erfindungen gab es in den letzten 100 Jahren, die Ihre Branche revolutioniert haben?
Steinhart: In der Süßwarenindustrie – und ganz besonders bei Manner – waren es vor allem Fortschritte in der Automatisierung, Robotik und Digitalisierung, die unsere Branche nachhaltig verändert haben. Die Einführung moderner Produktionsanlagen, automatisierter Verpackungslinien sowie digitaler Qualitätskontrollen ermöglicht uns heute eine gleichbleibend hohe Produktqualität bei gleichzeitig effizienteren Prozessen.
Werdenich: Wie hat sich der Ansatz Ihres Unternehmens zum Risikomanagement im Laufe der Jahre entwickelt und welche wichtigen Lektionen haben Sie aus vergangenen Erfahrungen gelernt?
Steinhart: Unser Risikomanagement hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Früher war es vor allem eine zentrale Erfassung unternehmensweiter Risiken – heute erfolgt die Risikobetrachtung entlang unserer bereichsübergreifenden Prozesse. Die Festlegung einer klaren Risikopolitik durch die Vorstände und deren operative Umsetzung durch die Fachbereiche ermöglicht uns eine strukturierte und strategische Steuerung. Ein Regelkreis aus Erfassung, Bewertung, Maßnahmenableitung, Reporting und Monitoring ist fest in unsere Jahresplanung integriert. Dabei fließen auch die finanziellen Auswirkungen potenzieller Risiken in unsere Ergebnisprognosen ein. Unser Verständnis von Risikomanagement umfasst heute nicht nur den Schutz von Umsatz und Reputation, sondern auch die Berücksichtigung gesellschaftlicher Anforderungen – ein wesentlicher Aspekt in der Akzeptanz und Wirksamkeit unternehmerischer Entscheidungen in Krisensituationen.
Werdenich: Was sind Ihre Vorhersagen für die zukünftige Risikolandschaft in Ihrer Branche und wie planen Sie, angesichts dieser Herausforderungen widerstandsfähig und innovativ zu bleiben?
Steinhart: Wir bei Manner sehen das Risikomanagement nicht isoliert, sondern als integralen Bestandteil unseres Qualitäts-, Prozess- und Krisenmanagements. Die Risikolandschaft wird zunehmend komplexer – von klimatischen Veränderungen über geopolitische Unsicherheiten bis hin zu sich wandelnden Konsumentenanforderungen. Unser Ansatz basiert auf einem umfassenden Stakeholder-Modell: Wir beziehen neben den Eigentümer*innen auch Mitarbeiter*innen, Konsument*innen, Lieferanten, NGOs und Behörden aktiv in unsere Überlegungen ein. Die Unternehmensführung agiert dabei nicht nur reaktiv, sondern gestaltet aktiv Zukunft: durch nachhaltige Investitionen, innovationsgetriebenes Denken, werteorientierte Führung und langfristigen Beziehungsaufbau zu unseren Anspruchsgruppen. Risiken und Chancen sind dabei keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille – und beide treiben uns an, stetig besser zu werden.

Karin Steinhart, Leiterin Unternehmenskommunikation & Sponsoring bei Josef Manner & Comp. AG
Über Josef Manner & Comp. AG
Die 1890 gegründete Josef Manner & Comp. AG ist als Spezialist für Waffeln & Schnitten, Dragees und Schaumwaren die Nummer 1 am österreichischen Schnittenmarkt. 2024 erzielte der österreichische Traditionsbetrieb einen Umsatz von Mio. 288,4 EUR. Die Zentrale befindet sich in Wien, die Produktion findet ausschließlich in Österreich statt. Zur Manner Familie gehören neben den berühmten Original Manner Neapolitaner Schnitten mit Haselnusscreme unter anderem auch die Marken Casali mit den beliebten Rum-Kokos Kugeln und Schoko-Bananen, Napoli mit dem Klassiker Dragee Keksi sowie die beliebten Mozartkugeln von Victor Schmidt sowie Ildefonso. Manner Produkte werden weltweit in ca. 40 Ländern vertrieben, eigene Vertriebsbüros sind in Deutschland, Tschechien und Slowenien aktiv. Wie kein anderes österreichisches Unternehmen vereint Manner Wiener Tradition mit modernem Image. Manner mag man eben.