Zwischen Vision und Verantwortung: Strategien für eine saubere Zukunft

Maria Christina Sorko

4 Min. Lesedauer

Jürgen Spari, Regional Manager bei GrECo in der Steiermark, spricht mit Ralf Mittermayr, CEO der Saubermacher Dienstleistungs AG über die sich verändernden Anforderungen an Abfallwirtschaftsbetriebe und wie das Unternehmen mit den besonderen Risiken der Branche umgeht.

Spari: In den letzten 100 Jahren gab es einige bedeutende historische Ereignisse in Mittel- und Osteuropa. Wie hat sich Ihr Unternehmen an einige dieser Ereignisse angepasst und darauf reagiert?

Mittermayr: Die Gründung von Saubermacher erfolgte nicht zufällig, sondern als Reaktion auf neue Gesetze und Forderungen an geregelte Deponien, die Ende der 1970er Jahre erlassen wurden. Früher bestanden Abfälle überwiegend aus Haushaltsresten wie kaputtem Geschirr oder Holz – Kunststoffe spielten noch eine untergeordnete Rolle. Mit dem Wandel der Abfallzusammensetzung wurde die Roth Umweltschutz GmbH gegründet, die später in Saubermacher umbenannt wurde. Gründer Hans Roth brachte viel Energie und eine klare Vision mit – aus drei Mitarbeitenden im Jahr 1979 wurden bis Ende des ersten Quartals 2025 knapp unter 4.000, die heute zur Saubermacher Familie gehören.

Ein wesentlicher Entwicklungsschritt war 2006 der Zukauf der Rumpold Gruppe – einem führenden Entsorgungsunternehmen in Tschechien, Ungarn und Slowenien. Das waren noch einmal fast 50 Prozent Umsatz. Dazu eine hohe Spezialisierung auf gefährliche Abfälle.

Die Entwicklung eines Unternehmens bedeutet aber auch Unternehmertum und ist mit Rückschlägen verbunden. Nicht alles ging auf. Ein zu früher Markteintritt, wie etwa in Kroatien, stellte uns vor Herausforderungen.

Spari: Wenn Sie auf das vergangene Jahrhundert zurückblicken, was waren die bedeutendsten Herausforderungen im Bereich Risikobewältigung in Ihrer Branche und wie wurden sie überwunden?

Mittermayr: Brand ist sicher das dominante Thema in der Abfallwirtschaft – anders als bei anderen Betrieben. Ein Pharmaproduzent kennt die Zulieferungen bis ins Detail. Selbst, wenn es sich um Gefahrengüter handelt, sind diese in definierten Zuständen.

Eine der zentralen Herausforderungen in der Abfallwirtschaft ist der Umgang mit heterogenen Materialien – das macht das Risikomanagement besonders komplex.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist der unsachgemäße Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien. Wenn Anlagen Kunststoff sortieren und eine in Plastik verpackte Batterie geschreddert wird, dann ist diese von Tonnen brennbarer Materialien umgeben – ein nicht ungefährlicher Prozess.

Auf der einen Seite geht man dagegen mit einer gigantischen Anzahl von Investitionen vor. Brandschutzmaßnahmen bei großen Kunststoffsortieranlagen machen zwischen 15 und 20 Prozent der Investitionssumme aus.

Saubermacher begegnet dem Risiko mit einem Mix aus technischen, organisatorischen und kommunikativen Maßnahmen: moderne Frühdetektionssysteme, punktuelle Löschlösungen, klare Handlungsanweisungen für unsere Fahrer und Fahrerinnen bei Rauchentwicklung sowie gezielte Sensibilisierung der Bevölkerung.

Ralf Mittermayr, CEO Saubermacher AG

Spari: Welche bedeutenden Erfindungen gab es in den letzten 100 Jahren, die Ihre Branche revolutioniert haben?

Mittermayr: Zunächst die Entstehung der Müllverbrennungsanlagen. Die älteste Müllverbrennungsanlage ist vor 100 Jahren in Hamburg entstanden, zu einer Zeit als die Städte immer größer wurden und auch die Abfallmengen zugenommen haben. Auf Straßen gelagerter Abfall und verunreinigtes Wasser führten zu Cholera und Typhus Epidemien, die erst eingedämmt werden konnten, als der Abfall aus den Städten gebracht wurde.

In Österreich haben wir in den letzten 20 Jahren über den Green Tech Valley Cluster ein großes Industrienetzwerk aufgebaut, das sich mit Technologien rund um Abfallbehandlung und Kreislaufwirtschaft beschäftigt. Zu den aktuellen Entwicklungen zählen Sensor-gestützte Sortieranlagen, bei denen mittels Infrarotsensoren oder Röntgenstrahlen auf schnell laufenden Bändern Kunststoffe oder Glas sortiert werden. Erwähnenswert ist auch die zunehmende Spezialisierung moderner Müllsammelfahrzeuge, die heute eine eigene Fahrzeugklasse mit spezifischer Technologie darstellen.“

Der nächste Schritt werden Prozesse rund um komplexe Themen wie die Aufbereitung von Klärschlämmen sein, die ein Potpourri an Hormonen, Antibiotika und Mikroplastik beinhalten. Hier werden wir sicher in den nächsten zehn bis 20 Jahren neue Technologien entwickeln müssen, um vor allem Phosphor wieder rückzugewinnen.

Spari: Wie hat sich der Ansatz Ihres Unternehmens zum Risikomanagement im Laufe der Jahre entwickelt und welche wichtigen Lektionen haben Sie aus vergangenen Erfahrungen gelernt?

Mittermayr: Ich glaube, jedes Unternehmen hat ein gewisses Risikodenken, sonst überlebt es nicht lange. Wir versuchen, mit einem ganz klaren Ansatz, Risiken transparent zu machen, Gegenmaßnahmen zu finden und bewusst Risiken einzugehen. Wir haben mittlerweile ein Risikomanagement etabliert, bei dem wir zweimal im Jahr bis hinauf in den Prüfungsausschuss berichten – zudem führen wir den Wiener Budgetierungsprozess mit. Das heißt, wenn wir das Jahresbudget verabschieden, stellen wir auch gleichzeitig alle Bruttorisiken des nächsten Jahres sowie die Gegenmaßnahmen, die wir setzen, dar.

Spari: Was sind Ihre Vorhersagen für die zukünftige Risikolandschaft in Ihrer Branche und wie planen Sie, angesichts dieser Herausforderungen widerstandsfähig und innovativ zu bleiben?

Mittermayr: Ich bin überzeugt, dass der Einsatz von KI helfen wird, verdeckte Risiken aufzudecken und durch die Datenmenge und Quervergleiche mit anderen Branchen unser Risikobild zu schärfen. Außerdem glaube ich, dass wir als Branche zusammenarbeiten müssen, damit wir keine überbordenden Risiken von Vorbranchen übernehmen.

Über Saubermacher AG

Die Saubermacher AG ist ein internationales Entsorgungs- und Recyclingunternehmen mit Sitz in Feldkirchen bei Graz. Das Familienunternehmen wurde 1979 von Hans und Margret Roth gegründet und ist kompetenter Partner für ca. 1.600 Kommunen und rund 42.000 Unternehmen. Der Betrieb beschäftigt rund 3.800 Mitarbeiter:innen in Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Nordmazedonien. Saubermacher ist mit seinen smarten Services und innovativen (Verwertungs-)Technologien führend im Bereich Waste Intelligence und Partner von zahlreichen Gemeinden, Städten und Entsorgungsunternehmen. Das Unternehmen wurde bereits mehrmals für sein Nachhaltigkeitsengagement international ausgezeichnet.

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Maria Christina Sorko
September 23, 2025