Ist Wasserstoff die Antwort auf die Transformation der Energieindustrie und wie kann die Versicherungsbranche den Übergang unterstützen?

Sabine Bradac

2 Min. Lesedauer

Von den heute verfügbaren Optionen ist Wasserstoff eine vielversprechende Alternative zu fossilen Brennstoffen, von deren Vorteilen einige Unternehmen, wie z. B. Wien Energie, bereits überzeugt sind und Projekte zur Erprobung als alternative Energiequelle durchführen.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, ist eine Transformation der Energiewirtschaft erforderlich, weg von fossilen Brennstoffen und hin zu nachhaltigen und umweltfreundlichen Energiequellen. Ist das eine realistische Vision? Wir denken schon.

Von den heute verfügbaren Optionen ist Wasserstoff eine vielversprechende Alternative zu fossilen Brennstoffen, und einige Unternehmen, wie z. B. Wien Energie, sind bereits von seinen Vorteilen überzeugt und realisieren Projekte, um ihn als alternative Energiequelle zu testen.

Grüne Produktionsmethoden sind der Schlüssel

Wasserstoff ist ein vielseitiger Energieträger, der das Potenzial hat, eine bedeutende Rolle im Energiemix der Zukunft zu spielen. Er wird oft als „sauberer“ Energieträger bezeichnet, da bei seiner Verbrennung nur Wasser als Nebenprodukt entsteht. So günstig die CO2-Bilanz auf der Verbraucherseite auch ist, muss darauf geachtet werden, dass auch die Herstellung von Wasserstoff so klimafreundlich wie möglich ist. Nur durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen wie Solarenergie oder Windkraft kann Wasserstoff so klimaneutral wie möglich produziert werden. Dieser „grüne” Wasserstoff kann dann in verschiedenen Bereichen wie Verkehr, Industrie und Haushalten eingesetzt werden, um die CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren.

Nichts kommt ohne Herausforderungen und Risiken

Obwohl Wasserstoff ein großes Potenzial birgt, gibt es auch einige Herausforderungen zu bewältigen. Eine davon betrifft die Sicherheit bei der Herstellung, Lagerung und beim Transport. Wasserstoff ist ein hochentzündliches Gas, das unter bestimmten Bedingungen explosive Eigenschaften aufweisen kann. Daher ist es unbedingt erforderlich, geeignete Sicherheitsvorkehrungen in Bezug auf Brand- und Explosionsschutz zu treffen, um Unfälle zu vermeiden und das Risiko für Mensch und Umwelt zu minimieren. Wird Wasserstoff in bestehenden Anlagen beispielsweise als Ersatz für Erdgas eingesetzt, müssen im Vorfeld verschiedene Aspekte wie die Dichtheit der Rohrsysteme, Veränderungen im Verbrennungsverhalten und deren Auswirkungen auf Brenner und Prozess einer Risikobewertung unterzogen werden, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Innovation bedeutet neue Risiken

Auch versicherungstechnische Aspekte müssen bei der Nutzung von Wasserstoff als Energieträger berücksichtigt werden – auch im Rahmen von Betriebsversuchen. Da Wasserstoff ein neues und innovatives Element im Energiesektor ist, sind die damit verbundenen Risiken für Versicherungsunternehmen schwer einzuschätzen. Die Versicherungswirtschaft muss sich daher mit den spezifischen Risiken und möglichen Schadenszenarien auseinandersetzen, um entsprechende Versicherungslösungen anbieten zu können. Dies könnte beispielsweise die Entwicklung maßgeschneiderter Versicherungspakete für Wasserstoffanlagen, Transportinfrastrukturen und Betriebsrisiken umfassen. In diesem Zusammenhang wird die transparente Darstellung der veränderten Risikolandschaft – z. B. der Wegfall von Lagerstätten für brennbare Stoffe und der Bau einer Wasserstoffelektrolyseanlage – in Verbindung mit den Nachhaltigkeitsanforderungen während eines Transformationsprojekts in einem Unternehmen noch wichtiger. Dies wird es den Versicherungsunternehmen erleichtern, alle Aspekte zu bewerten und zu beurteilen.

Versicherungswirtschaft sollte sich für Wasserstofftechnologie einsetzen

Darüber hinaus können Versicherungsunternehmen eine wichtige Rolle bei der Förderung der Wasserstofftechnologie spielen, indem sie Anreize für Investitionen und Innovationen schaffen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Energiewirtschaft und der Versicherungsbranche kann dazu beitragen, Risiken besser zu verstehen, zu bewerten und zu minimieren. Dies wiederum wird das Vertrauen in Wasserstoff als Energieträger stärken und seine Akzeptanz fördern.
 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jede zukünftige Energiewende mit spannenden Herausforderungen und Chancen verbunden ist. Wasserstoff als Energieträger hat das Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Deckung unseres Energiebedarfs und damit zur Klimaneutralität zu leisten. Gleichzeitig müssen jedoch Sicherheitsaspekte und Versicherungsrisiken sorgfältig geprüft werden, um eine sichere und erfolgreiche Integration von Wasserstoff in unser Energiesystem zu gewährleisten.

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Sabine Bradac
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