Strategic Sales Manager Krystle Lippert sprach mit Richard Ljuhar, Gründer und CEO des österreichischen KI-Medizintechnikunternehmens ImageBiopsy Lab. Dabei wurden die aktuellen Anwendungsmöglichkeiten ihrer innovativen Software und die spannenden Chancen diskutiert, die KI für die Zukunft der Medizin bietet.
Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht zuletzt seit ChatGPT ein heiß diskutiertes Thema, das uns in vielen Bereichen das Leben erleichtern soll. Auch einige Ärzt:innen und Pflegekräfte sehen in KI die Möglichkeit, dass ihnen enorme administrative Last abgenommen werden kann und blicken gespannt auf die zukünftigen Entwicklungen in der Gesundheitsvorsorge durch KI. Im Gespräch mit Krystle Lippert, Strategic Sales Manager bei GrECo, erklärt Richard Ljuhar, Gründer und CEO des österreichischen KI-Medtech ImageBiopsy Lab, welche Anwendungsbereiche seine Software heute schon abbildet und welche Zukunftschancen er sieht.
KI verbessert Diagnosen
KI-Algorithmen werden bereits eingesetzt, um etwa Läsionen zu erkennen, Krebsrisiken zu bewerten, bei der Diagnose komplexer Krankheiten zu helfen und Frühwarnungen zu geben. Die Identifizierung von Krankheitsmerkmalen in der bildgebenden Diagnostik ist dabei ein zentraler Bestandteil ihrer Anwendung. Dies zeigt sich am Beispiel des österreichischen KI-Medizintechnikunternehmens ImageBiopsy Lab, das auch eine Niederlassung in den USA betreibt.
Seit seiner Gründung im Jahr 2016 konzentriert sich ImageBiopsy Lab auf die Optimierung der Früherkennung und Prävention von Erkrankungen des Bewegungsapparats durch KI-gestützte Bildgebung. Seine digitale KI-Plattform unterstützt Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Fachpersonal bei der Umwandlung medizinischer Bilddaten in diagnostische Befunde. Ein Beispiel dafür ist die Studie des Unternehmens, die den Einsatz von KI in der Traumatologie, insbesondere bei der Diagnose von distalen Radiusfrakturen (DRF), untersuchte. Die Studie umfasste 26.121 anonymisierte Röntgenbilder von Handgelenken und ein Convolutional Neural Network (CNN), das darauf geschult war, Frakturen zu identifizieren. Als elf Ärztinnen und Ärzte 200 Röntgenbildpaare auswerteten, verbesserte die KI-Unterstützung die diagnostische Sensitivität von 80 % auf 87 % und reduzierte die Fehlerquote von 14 % auf 9 %.
„KI soll medizinisches Fachpersonal nicht ersetzen, sondern unterstützen“, erklärt Ljuhar. „In der Regel müssen Mediziner:innen die Ergebnisse der KI überprüfen, aber jetzt können sich beispielsweise Radiolog:innen auf Anomalien konzentrieren und Orthopäd:innen Fehlstellungen schneller erkennen. In den USA haben wir die KI auch zur Unterstützung bei der Erkennung von klinisch eindeutigen Fällen von Kniearthrose eingesetzt. Im Wesentlichen hilft Künstliche Intelligenz dabei, Erkennungsprozesse zu optimieren und die Genauigkeit zu verbessern.“
Rechtliche und ethische Herausforderungen
Aber wie sieht es mit den rechtlichen und ethischen Aspekten aus? Welche Auswirkungen hat dies auf die Haftung und den Datenschutz? Bei der praktischen Anwendung liegt die Verantwortung weiterhin eindeutig bei den Ärztinnen und Ärzten. KI-Diagnostik wird als Medizinprodukt eingestuft, und ähnlich wie bei der Verschreibung von Medikamenten liegt die Verantwortung letztendlich bei den medizinischen Fachkräften.
Was die Produkthaftung angeht, werden Softwarefehler von den Nutzerinnen und Nutzern an ImageBiopsy gemeldet, und die Software selbst wird regelmäßig überprüft, um sicherzustellen, dass sie ordnungsgemäß funktioniert. Die Software kann jedoch nicht einfach neu trainiert werden, und wie bei anderen Apps kann nicht einfach ein Update installiert werden.
„Jedes Update bedeutet, dass wir den gesamten Zyklus der Medizinprodukte-Richtlinie durchlaufen müssen, was manchmal sechs Monate oder sogar länger dauert“, sagt Ljuhar. „Das sind Tausende von Seiten an Dokumentation, die überprüft, aktualisiert und schließlich vom TÜV Süd genehmigt werden müssen.“
Auch der Datenschutz ist ein wichtiges Thema, insbesondere wenn es darum geht, wo Patientendaten gespeichert werden und woher die Bilddaten stammen, die zum Trainieren der KI-Systeme verwendet werden. In Europa sind die regulatorischen Hürden im Allgemeinen hoch, aber die Beschaffung von Bilddaten ist relativ unkompliziert, da anonymisierte Daten über Ethikanträge gesammelt und verarbeitet werden können. In den USA hingegen ist der Zugang zu solchen Daten aufgrund strengerer Vorschriften, die ihre Verfügbarkeit einschränken, deutlich schwieriger.

Visionen für die Zukunft
Obwohl die Software von ImageBiopsy Lab in erster Linie dazu dient, die Wartezeiten auf Ergebnisse zu verkürzen, bietet sie auch interessante Möglichkeiten für zukünftige Anwendungen. Ljuhar hofft, dass KI in den nächsten Jahren in der Lage sein wird, durch die Analyse spezifischer Bilder oder Symptome genauere Vorhersagen über die langfristige Gesundheit von Patientinnen und Patienten zu treffen. Dieser Fortschritt könnte diesen dabei helfen, ihre körperlichen Aktivitäten entsprechend anzupassen. Mithilfe von medizinischer Bildgebung, die für eine bestimmte Diagnose durchgeführt wird, könnte KI automatisch andere Anomalien im Bild erkennen, nach denen nicht speziell gesucht wird, und diese hervorheben, um frühzeitig Warnungen auszugeben.
Ljuhar sieht großes Potenzial für KI, insbesondere in der Orthopädie. ImageBiopsy hat bereits eine Software zur Erkennung osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen entwickelt. Diese Frakturen sind ein Indikator für ein erhöhtes Risiko zukünftiger Frakturen. Die Software von ImageBiopsy Lab unterstützt Radiologinnen und Radiologen bei der Erkennung und Dokumentation dieser Frakturen, um eine frühzeitige Therapie zu ermöglichen.
Ljuhar erklärt: „Unsere Studien zeigen, dass in 85 % der Fälle bei bestimmten anonymisierten Patientengruppen, die bestimmte Kriterien wie etwa ihr Alter erfüllten, Wirbelkörperfrakturen von Radiologinnen und Radiologen nicht gemeldet wurden. Dies wirft Fragen der Verantwortlichkeit auf – hätte eine frühere Erkennung nachfolgende Frakturen verhindern können? Krankenhäuser oder Versicherungen müssen Ärztinnen und Ärzte zu Präventionsmaßnahmen anhalten, unterstützt durch Softwaretools, die während unabhängiger Untersuchungen Hintergrundscans durchführen. Diese Tools könnten klinisch relevante Frakturen bei Hochrisikopatientinnen und -patienten identifizieren und so eine rechtzeitige und wirksame Behandlung ermöglichen.“
Vertrauen aufbauen
Mit Ausnahme von Radiologinnen und Radiologen, die in der Regel technisch versiert sind, gab es vor zwei bis drei Jahren kaum Interesse an KI. Während sich dies bei Ärztinnen und Ärzten inzwischen geändert hat, bleiben viele Patientinnen und Patienten skeptisch, und das Vertrauen muss noch wachsen. Jüngere Generationen zeigen jedoch zunehmend Interesse und stellen Fragen dazu, was ein vielversprechender Schritt nach vorne ist.
Um die Vorteile zu nutzen, ist Risikomanagement entscheidend
Klar ist, dass der Einsatz von KI in der Traumatologie, vor allem bei der Diagnose von distalen Radiusfrakturen, ein riesiges Potenzial hat, um die medizinische Diagnostik zu verbessern und die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu optimieren. Außerdem wird die Integration von KI in die Medizin im Allgemeinen das Gesundheitswesen revolutionieren – die Möglichkeiten sind endlos, aber auch die Herausforderungen. Die Medizin muss die vielen Chancen sorgfältig gegen die rechtlichen und ethischen Herausforderungen abwägen, um die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Technologien zu gewährleisten. Ein professionelles Risikomanagement, das technologische, ethische und organisatorische Aspekte berücksichtigt, ist der Schlüssel dazu. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Vorteile der KI genutzt werden, ohne die Patientensicherheit oder das Vertrauen in das Gesundheitssystem zu gefährden.
Über Richard Ljuhar
Richard Ljuhar ist CEO und Mitbegründer von ImageBiopsy Lab, einem preisgekrönten Softwareunternehmen, das sich auf KI-gestützte Bildgebungsintelligenz für die muskuloskelettale Diagnostik spezialisiert hat. Mit seinem Hintergrund in Produktentwicklung und internationalem Marketing hat Ljuhar umfangreiche Erfahrungen bei einem der weltweit führenden Medizintechnikunternehmen mit Sitz in Boston, Massachusetts, gesammelt.
Über ImageBiopsy Lab
ImageBiopsy Lab (IB Lab) ist ein führendes Digital-Health-Scale-up mit Sitz in Österreich, das sich auf KI-gestützte Softwareanwendungen für die muskuloskelettale (MSK) Diagnostik auf Röntgenbildern spezialisiert hat. Die Lösungen des Unternehmens liefern Radiologinnen und Radiologen sowie Orthopädinnen und Orthopäden schnelle, quantitative und standardisierte Befunde und sind an über 100 Standorten in Europa und den USA im Einsatz.
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