Nachhaltige Brandbekämpfung: Wie die Rosenbauer Group Innovation und Wandel bei der Feuerwehr vorantreibt

Argun Zia-Dam

5 Min. Lesedauer

Die Rosenbauer Group ist ein Vordenker und Vorreiter in Sachen Technologie und Innovation in der Feuerwehrbranche. Sebastian Wolf, CEO von Rosenbauer International, spricht mit Argun Zia-Dam, Account Manager bei GrECo, darüber, wie die Rosenbauer Group den Weg in dieser Branche ebnet und warum Städte in Zukunft auf elektrisch betriebene Feuerwehrfahrzeuge setzen werden.

Zia-Dam: Rosenbauer hat von Anfang an Nachhaltigkeit mit technologischem Fortschritt und Innovation verbunden. Wie gelingt es dem Unternehmen, seiner Rolle als Vordenker in der Feuerwehrbranche seit vielen Jahren aktiv gerecht zu werden?

Wolf: Die Rosenbauer Group ist stolz darauf, ein Technologie- und Innovationsführer im Bereich des vorbeugenden und abwehrenden Brand- und Katastrophenschutzes zu sein. Wir wollen dazu beitragen, unsere Branche nachhaltig weiterzuentwickeln und Vorreiter für andere zu sein. Deshalb sind Forschung und Entwicklung für unsere Unternehmensgruppe von zentraler Bedeutung.

Seit Jahren analysieren wir systematisch die Megatrends, die unsere Gesellschaft prägen, denn die Trend- und Zukunftsforschung ist die Basis für unsere zukunftsorientierte Innovationsarbeit. Im Jahr 2012 haben wir die erste sogenannte Feuerwehr-Trendlandkarte erstellt, die nun in ihrer fünften, aktualisierten Version vorliegt. Diese Trendkarte stellt eine Verbindung zwischen den großen Megatrends und der Feuerwehr her.  Sie war der Ausgangspunkt für die Entwicklung unseres ersten vollelektrischen Feuerwehrfahrzeugs, „Revolutionary Technology“.

Die Trends von heute abbilden, um nachhaltige Veränderungen für die Zukunft zu erreichen

Zia-Dam: Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die Feuerwehr-Trendmap 5.0 werfen. Hat die Analyse ökologischer, sozialer und ökonomischer Megatrends bei ihrer Erstellung eine Rolle gespielt?  Welche Schlussfolgerungen wurden gezogen und welche Erkenntnisse für die Zukunft des Feuerwehr- und Katastrophenschutzsektors gewonnen?
 
Wolf: Die Trendkarte gibt einen Überblick über die wichtigsten Veränderungen und Trends, die sich auf die Feuerwehren, ihre Einsatzgebiete, Arbeitsmittel und Einsatztaktiken auswirken. Sie skizziert auch mögliche Zukunftsszenarien und Rahmenbedingungen, mit denen die Feuerwehren konfrontiert werden. Die Inhalte werden regelmäßig auf ihren Wert hin überprüft und überarbeitet. So werden beispielsweise die Megatrends Neo-Ökologie, Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel für die Feuerwehrbranche immer wichtiger.  Werfen wir einen kurzen Blick auf jeden einzelnen.
 
Bei der „Neo-Ökologie“ geht es um die Klimakrise. Infolge des Klimawandels werden Naturereignisse und extreme Wetterbedingungen häufiger und heftiger auftreten und größere Landstriche betreffen als je zuvor. Die Zunahme von Waldbränden und Überschwemmungen wird umfassende Systemlösungen erfordern. Der Druck der Umwelt schafft auch ein neues Umweltbewusstsein, und im Zuge dessen werden die Feuerwehren zunehmend dazu angehalten, ihre Herangehensweise an die Reduzierung von Emissionen, Energieversorgung und den Einsatz von Löschmitteln zu überdenken.
 
Auch die Digitalisierung und Vernetzung auf der Grundlage moderner Kommunikationstechnologien spielt bei der Feuerwehr eine immer wichtigere Rolle. Sowohl in städtischen Gebieten mit gut ausgebauter Infrastruktur als auch auf dem Land können zum Beispiel verschiedene Daten von Sensoren genutzt werden, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Dies ist ganz im Sinne der Brandverhütung und eines effizienteren Einsatzmanagements. Aber auch für die vorausschauende Wartung von Fahrzeugen und Geräten und die Vermeidung von kritischen technischen Ausfällen können diese neuen Technologien genutzt werden.
 
Und nicht zuletzt wird der gesellschaftliche Wandel die Feuerwehren verändern. Dabei geht es zum einen um den demografischen Wandel. Wir werden alle älter, die durchschnittliche Lebenserwartung in Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen liegt bereits bei 80 Jahren. Der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung nimmt zu. Zweitens geht es um die Themen Vielfalt und Gleichstellung der Geschlechter. Frauen sind seit langem ein unverzichtbarer Faktor im Wirtschaftsleben und in der Arbeitswelt, und sie treten auch zunehmend in betriebliche Organisationen ein. Beides zusammen wird zu einer Neudefinition der Funktionalität und einer Anpassung der Feuerwehrfahrzeuge und -ausrüstungen führen, damit auch diese Gruppen den Anforderungen des Berufs und ihres ehrenamtlichen Engagements gerecht werden können.

Begleitung der Feuerwehren in das Zeitalter der Elektromobilität

Zia-Dam: Stichwort E-Mobilität: Erzählen Sie mir mehr über die Entwicklung von elektrisch betriebenen Feuerwehrfahrzeugen, wie der „Revolutionary Technology“ (kurz RT), die in Städten wie Berlin, Wien, Basel und Los Angeles im Einsatz sind. Welche Ergebnisse haben die Feuerwehren, die sie erproben, erzielt?
 
Wolf: Der RT ist unser bahnbrechendes Fahrzeug, für das wir 2021 den Staatspreis für Innovation erhalten haben.  Diese Auszeichnung ist ein Beleg für unsere langfristige Konzernstrategie „Rosenbauer City 2030“, die die Entwicklung und Umsetzung von Feuerwehrfahrzeugen mit alternativen Antrieben in den Mittelpunkt stellt.
 
Rosenbauer sieht sich in der Verantwortung, als Innovationsführer die Feuerwehren in das Zeitalter der Elektromobilität zu begleiten, diesen Wandel aktiv voranzutreiben und klimafreundliche, moderne Fahrzeuge zu entwickeln. Und genau das haben wir getan.  Die ersten RT-Vorserienfahrzeuge wurden im Herbst 2020 an ausgewählte Leitkunden – die Feuerwehren in Berlin, Dubai und Los Angeles – ausgeliefert. Die Praxisergebnisse waren überzeugend. Beispiel Berlin: Während des 13-monatigen Testzeitraums wurden rund 1.600 Einsätze abgewickelt. Mehr als 95 Prozent der Einsätze wurden rein elektrisch abgewickelt, womit das Ziel von 80 Prozent weit übertroffen wurde. Ein Dieselmotor wird nur noch in Notfällen als Energiereserve eingesetzt, zum Beispiel wenn die Geräte und Maschinen an Bord über einen längeren Zeitraum betrieben werden müssen.
 
Die Einsatzkräfte, die den RT getestet haben, lobten auch die leisen Elektromotoren und die Konferenzbestuhlung. Nach Angaben der Berliner Feuerwehr wurden im Testbetrieb rund zehn Tonnen CO2 gegenüber dem Betrieb eines Diesel-LHF eingespart. Sie sehen, die Feuerwehren können auf diese Weise das Nachhaltigkeitsmanagement der Stadtverwaltungen aktiv unterstützen und einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der städtischen Klimaschutzziele leisten.
 
Zia-Dam: Warum ist die E-Mobilität ein so wichtiger Meilenstein in der Feuerwehr und welche Rolle werden die Elektrofahrzeuge in den nächsten Jahren im Portfolio von Rosenbauer spielen?
 
Wolf: In den nächsten Jahren werden immer mehr Regionen die Nutzung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren einschränken. Ab 2035 müssen neu zugelassene Autos in der EU entweder über einen alternativen Antrieb verfügen oder ausschließlich mit E-Kraftstoffen betrieben werden. Auch für LKW-Hersteller gibt es gestaffelte Flottenreduktionsziele für CO2-Emissionen. Der aktuelle Trend geht daher klar in Richtung E-Mobilität, da vor Ort keine Emissionen entstehen und diese Technologie am weitesten fortgeschritten ist. Die E-Mobilität von Rosenbauer wird hier einen wesentlichen Beitrag leisten.
 
Der RT vereint schon heute viele Eigenschaften, die in der Feuerwehr der Zukunft wichtig sein werden: eine hoch ergonomische Fahrzeugarchitektur, einen emissionsarmen Antrieb, ein innovatives Bedienkonzept und eine umfassende Konnektivität. Wir gehen heute davon aus, dass jedes zweite Fahrzeug, das wir im Jahr 2030 verkaufen, einen alternativen Antrieb haben wird.

Die eigenen Risiken managen und gleichzeitig anderen helfen, ihre Risiken zu managen

Zia-Dam: Sie haben ein eindrucksvolles Bild der Zukunft der Feuerwehrbranche gezeichnet. Wie stellt Rosenbauer sicher, dass die Veränderungen in der eigenen Risikolandschaft erkannt, bewertet und gesteuert werden?
 
Wolf: Wir verwenden ein Risikomanagementsystem, das eine übersichtliche Darstellung der Risiken und Chancen in den verschiedenen Bereichen der Rosenbauer Group ermöglicht. In einem strukturierten Prozess werden zweimal jährlich Geschäftsrisiken und -chancen identifiziert, erfasst und hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und ihrer Auswirkungen auf das Ergebnis bewertet.
 
Aus der Risikoanalyse auf operativer Ebene werden die notwendigen Kontroll- und Steuerungsmaßnahmen sowie die Instrumente zur Risikosteuerung abgeleitet. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Risikoinventur einmal jährlich an den Prüfungsausschuss berichtet.
 
Ein Beispiel für die identifizierten Einzelrisiken im Bereich der Umwelt- und Branchenrisiken ist die globale Erwärmung: Im Jahr 2020 wurde mit Unterstützung eines externen Beratungsunternehmens eine Analyse der klimabezogenen Risiken und Chancen durchgeführt. Dabei wurden die Empfehlungen der Taskforce on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) angewendet. In einem ersten Schritt wurden jene klimabezogenen Risiken und Chancen identifiziert, die für Rosenbauer potenziell finanziell relevant sein könnten. Diese wurden hinsichtlich ihrer finanziellen Auswirkungen und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Als wesentliche klimabedingte Herausforderung wurden die physischen Klimarisiken für die Produktions- und Montagestandorte identifiziert, als wesentliche klimabedingte Chance die allgemein steigende Nachfrage nach Brandschutzprodukten und die Chance für neue Rosenbauer Produkte und Dienstleistungen.
 
Link zur Feuerwehr-Trendkarte 5.0: https://innovation.rosenbauer.com/de/#c20

Über Sebastian Wolf
Wolf ist seit August 2022 amtierender CEO der Rosenbauer Group.  Gemeinsam mit mehr als 4.000 Mitarbeitern ist es sein Ziel, Rosenbauer auf die nächste Stufe zu bringen und die Feuerwehrbranche in Richtung alternative Antriebe und Nachhaltigkeit zu verändern.
 
Er begann seine Karriere als Unternehmensberater. Im Jahr 2008 kam er zur Rosenbauer Group und war von 2017 bis 2022 deren Finanzvorstand.
 
Über Rosenbauer Group
Rosenbauer ist der weltweit führende Hersteller von Systemen für die Brandbekämpfung und den Katastrophenschutz. Das Unternehmen entwickelt und produziert Fahrzeuge, Feuerlöschsysteme, Ausrüstungen und digitale Lösungen für Berufs-, Industrie-, Werks- und Freiwillige Feuerwehren sowie Systeme für die vorbeugende Brandbekämpfung. Mit einem Umsatz von 972,2 Millionen Euro und rund 4.100 Mitarbeitern (Stand: 31. Dezember 2022) ist die Gruppe der weltweit größte Anbieter von Feuerwehrtechnik.
 
Das börsennotierte Familienunternehmen wird in der sechsten Generation geführt und steht seit mehr als 150 Jahren im Dienst der Feuerwehren. Kundenorientierung, Innovationskraft und Verlässlichkeit sind die wesentlichen Stärken von Rosenbauer.

Verwandte Branchen und Lösungen

Diesen Artikel teilen

Related

Wir laden Sie herzlich zum 2. GrECo Health & Benefits Tag ein. Dort erwarten Sie spannende Einblicke in die Arbeitswelt im Wandel: Führende Expert:innen sowie Vertreter:innen renommierter Unternehmen und der Wissenschaft teilen ihre Erfahrungen.
Am 16. Oktober wurde in Österreich das Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz (RKEG) veröffentlicht. Wer davon betroffen ist und was zu tun ist, erfahren Sie hier.

Nachhaltige Brandbekämpfung: Wie die Rosenbauer Group Innovation und Wandel bei der Feuerwehr vorantreibt

Argun Zia-Dam
Juli 29, 2024