Von Gelb zu Grün: Der Mobilitätswandel der österreichischen Post

Daniel Sebastian Mühlbach

5 Min. Lesedauer

Obwohl die Österreicherinnen und Österreicher Jahr für Jahr immer mehr Pakete erhalten, gelingt es der Österreichischen Post AG durch die Umstellung ihres Fuhrparks, ihre Emissionen zu reduzieren.  Daniel-Sebastian Mühlbach, Head of CSR & Environmental Management, und Paul Janacek, Head of Group Vehicle Fleet bei der Österreichischen Post AG, erzählen uns, wie das geht.

Ehrgeizige Klimaziele zur Steigerung der Energieeffizienz erreichen

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit und der integrierten Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie bindet die Österreichische Post ESG zunehmend in ihr Risikomanagement ein, ebenso wie die Anforderungen des NaDiVeG (Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz), der EU-Taxonomieverordnung und die Vorgaben der TCFD (Task Force for Climate Related Financial Disclosures). Damit werden Risiken und Chancen der Nachhaltigkeit und der Klimakrise frühzeitig erkannt, so dass die strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Erreichung der Unternehmensziele durch geeignete Maßnahmen unterstützt werden können.
 
Um die Auswirkungen der Risiken des Klimawandels zu minimieren, setzen wir uns seit mehr als einem Jahrzehnt ambitionierte Klimaziele, um unsere Energieeffizienz sukzessive zu steigern.  Seit 2017 reichen wir ein wissenschaftsbasiertes Klimaziel zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2° Grad bei der Science-based-Targets-Initiative ein.  Anfang 2022 haben wir diese Einreichung geändert und uns zu einem neuen CO2-Reduktionsziel von 1,5° Grad bis 2030 und einem Netto-Null-Ziel bis 2040 verpflichtet.  Damit verpflichten wir uns zur Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens der UNFCCC.

Grüne und effiziente Mobilität

Der Transportsektor ist für die Österreichische Post der größte Hebel zur Vermeidung und Reduktion von CO2-Emissionen. Jährlich stellen unsere Zustellerinnen und Zusteller rund fünf Milliarden Sendungen an rund 4,8 Millionen Privathaushalte und Unternehmen in Österreich zu. Auf ihren Zustellrouten umrunden sie mehrmals den Globus – zu Fuß und mit dem Fahrrad, aber auch mit Moped, Auto und LKW. Wir arbeiten daher intensiv daran, unseren Transport so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.
 
Da die Österreichische Post täglich tausende Fahrzeuge einsetzt, achten wir bei Neuanschaffungen besonders auf deren Umweltfreundlichkeit: Seit dem Frühjahr 2022 werden in Österreich ausschließlich E-Fahrzeuge für die Zustellung der Post angeschafft.

Einsatz von alternativen Antrieben: Errungenschaften, die sich sehen lassen können

Doch damit nicht genug, wir haben uns ein klares ökologisches Ziel gesetzt: Bis 2030 soll die gesamte Zustellung aller Briefe, Pakete, Werbesendungen und Printmedien in Österreich mit Elektrofahrzeugen oder emissionsfrei erfolgen.  Unterstützt werden wir dabei durch verschiedene öffentliche Förderprogramme.  Derzeit liegt der Anteil der Elektrofahrzeuge in der Zustellung der Österreichischen Post bereits bei über 30 Prozent und wird sukzessive erhöht.  Derzeit verfügen wir über 3.039 E-Fahrzeuge, davon 1.183 Einspur- und Spezialfahrzeuge (Quads und Trikes) und 1.856 E-Autos.  Damit sind wir der größte E-Flottenbetreiber in Österreich. Im Postkonzern waren im Jahr 2022 3.121 Elektrofahrzeuge im Einsatz.
 
In der Landeshauptstadt Graz erfolgt seit Herbst 2021 die gesamte Brief- und Paketzustellung emissionsfrei. Hier wurde gänzlich auf fossile Energieträger verzichtet. Es werden keine herkömmlichen Mopeds oder Autos mehr eingesetzt, sondern ausschließlich Muskelkraft und elektrische Energie.  Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir mehr als 100 neue E-Fahrzeuge und E-Ladestationen in Betrieb genommen.  Erstmals kommen auch E-Packtransporter mit entsprechend großem Ladevolumen zum Einsatz.
 
Bis Ende 2024 sollen auch die Landeshauptstädte Innsbruck und Salzburg auf emissionsfreie Zustellung umgestellt werden.  Dafür werden weitere rund 200 E-Fahrzeuge und Lademöglichkeiten benötigt. In Wien ist der Startschuss für die emissionsfreie Paketzustellung bereits gefallen – bis Ende 2022 haben wir 50 E-Paket-Transporter im Einsatz. Insgesamt werden im Jahr 2023 mehr als 1.000 elektrische Zustellfahrzeuge angeschafft.
 
Viele fragen sich wahrscheinlich, woher die Stromversorgung für eine so große E-Flotte kommt.  Die einfache Antwort ist, dass wir die für den Betrieb der E-Fahrzeuge benötigte elektrische Energie entweder selbst durch Photovoltaikanlagen erzeugen oder ausschließlich Ökostrom aus Österreich beziehen.

Flottenoptimierung im Güterverkehr

Die Verjüngung des Fuhrparks und der Einsatz moderner Technologien stehen schon seit längerem im Fokus – im Güterverkehr hat die Österreichische Post in den letzten Jahren viel für den Umwelt- und Klimaschutz getan.  Die gesamte Transportlogistikflotte ist mit der modernsten am Markt erhältlichen EURO-6-Abgastechnologie ausgestattet. Im Jahr 2022 wurden 13 neue LKWs mit äußerst effizienten und schadstoffarmen Motoren angeschafft.  Das Zusammenspiel von hochwirksamen Katalysatoren, dem Zusatzstoff AdBlue und geschlossenen Partikelfiltern reduziert den Ausstoß von Rußpartikeln und Feinstaub aus dem Motor.
 
Um unsere Spediteure zum Einsatz einer modernen und umweltfreundlichen Flotte zu bewegen, haben wir unsere Vergütung entsprechend angepasst. So zahlen wir die anfallenden Mautgebühren für die Straßennutzung nur in Höhe der bestmöglichen Emissionsklasse und motivieren sie so zum Einsatz moderner Lkw-Flotten.

Neue Technologien im Testbetrieb

Im Jahr 2020 haben wir testweise erstmals drei LKWs unserer Flotte mit Solarpanels ausgestattet.  Im Jahr 2021 wurden zwei weitere Solarpaneele auf LKWs mit einem Fahrgestell für Wechselaufbauten angebracht. Die erzeugte Energie wird in die Fahrzeugbatterie eingespeist, wodurch der Kraftstoffverbrauch gesenkt und die CO2-Emissionen verringert werden.  Für die Zukunft sehen wir uns weitere Systeme von alternativen Anbietern an, um ein noch effizienteres System zu finden.  Seit 2021 haben wir unseren ersten LKW mit verflüssigtem Erdgas (LNG) in Betrieb. In Zusammenarbeit mit dem RNE (Rat für Nachhaltige Logistik) haben wir auch andere Möglichkeiten erforscht. In einem einmonatigen Test haben wir einen elektrisch betriebenen LKW auf einer mehrmals täglich befahrenen Strecke in Wien eingesetzt.  Dieser Test lieferte wertvolle Erkenntnisse für den zukünftigen Einsatz von E-LKWs. Wir haben bereits sechs LKWs in unserer Flotte, die mit Hydrotreated Vegetable Oils (HVO) betrieben werden. Dabei handelt es sich um einen erneuerbaren Kraftstoff, der aus Abfällen, Fetten, Pflanzenresten und Pflanzenölen hergestellt werden kann. Noch besser ist, dass HVO ohne technische Umrüstung in Dieselmotoren verwendet werden kann und laut Hersteller bis zu 90 % der CO2-Emissionen über den Lebenszyklus des Produkts im Vergleich zu Diesel eingespart werden können.
 
In den drei Monaten von Juli bis September 2023 haben wir in den Großräumen Wien und Graz jeweils drei HVO-betriebene Post-LKWs eingesetzt.  Die Fahrzeuge wurden auf den täglichen Postrouten zwischen Logistikzentren, Zustellbasen und Postämtern eingesetzt und transportierten Pakete, Werbesendungen, Briefe und Printmedien. Während des Testzeitraums ermittelten wir das Fahrverhalten, den Kraftstoffverbrauch und die tatsächlich erzielbare CO2-Einsparung.  Betankt wurden die LKWs in Graz und Wien mit Treibstoff von Eni Sustainable Mobility und Biofuel Express an Tankstellen mit eigenen HVO-Zapfsäulen.
 
Der von der Österreichischen Post verwendete HVO-Kraftstoff unterliegt der europäischen Richtlinie für erneuerbare Energien (RED II). Sie soll sicherstellen, dass Biokraftstoffe keine negativen Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion, die Umwelt und die soziale Nachhaltigkeit haben.  

Ausblick: Alternative Antriebe in der Transportlogistik der Österreichischen Post

Für die Jahre 2020 und 2021 haben wir mit OMV und Wien Energie Absichtserklärungen für den Einsatz von grünem Wasserstoff im Schwerlastverkehr unterzeichnet: ein wichtiger Meilenstein für den Klimaschutz.  Der Fokus liegt dabei auf der Beschaffung von grünem Wasserstoff, dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur und der Integration von Brennstoffzellen-LKWs in unseren Fuhrpark.  Darüber hinaus ist die Österreichische Post über die Transportlogistik national in verschiedenen Initiativen und anderen Konsortien im Bereich Wasserstoff vertreten. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich, verschiedenen Ministerien und anderen namhaften nationalen und internationalen Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Energie, Spedition und Logistik setzen wir auf einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Wandel im Schwerverkehr durch alternative Antriebe und synthetische Kraftstoffe (E-Fuels).
 
Auf dem Weg zum emissionsfreien Schwerlastverkehr möchte die Österreichische Post weitere Zukunftstechnologien auf die heimischen Straßen bringen und möglichst rasch erproben.  Im Rahmen des Förderprogramms „Emissionsfreie Nutzfahrzeuge und Infrastruktur (ENIN)“ der Europäischen Union, des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) hat die Österreichische Post daher Förderungsanträge für insgesamt vier emissionsfreie LKWs eingereicht und erhalten.
 
Der erste Förderantrag betrifft die Erprobung von zwei E-LKWs. Diese sollen zwei Diesel-LKWs ersetzen, die derzeit an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr zwischen dem Logistikzentrum in Wien-Inzersdorf und dem Flughafen Wien-Schwechat pendeln. Auf dem Gelände des Logistikzentrums wird eine eigene Schnellladestation installiert, damit die Fahrzeuge rasch wieder einsatzbereit sind. Die ersten beiden Fahrzeuge sind seit Mai diesen Jahres unterwegs.
 
Im Mittelpunkt der zweiten Fördereinreichung steht die Erprobung von zwei Wasserstoff-LKWs. Die Routenplanung erfolgt entlang von Straßen mit bestehenden grünen Wasserstofftankstellen, die es derzeit in Tirol und Wien gibt. Weitere grüne Wasserstofftankstellen sind bereits in Planung und werden bald alle Hauptverkehrswege des Landes abdecken. Mit einer erwarteten Reichweite von rund 400 Kilometern pro Betankung und den bestehenden Tankstellen können die Wasserstoff-Lkw auf allen Postrouten in ganz Österreich eingesetzt werden. Aufgrund der langen Lieferzeiten und des derzeit noch knappen Angebots an grünem Wasserstoff werden die ersten beiden Post-Wasserstoff-Lkw voraussichtlich bis Ende 2024 eingesetzt.

Über die Autoren:
 
Daniel-Sebastian Mühlbach
Head of CSR & Environmental Management, Österreichische Post AG
Daniel-Sebastian Mühlbach studierte an der Universität für Bodenkultur in Wien und absolvierte anschließend ein Studium für Umweltmanagement und Ökotoxikologie an der Fachhochschule Technikum Wien. Er begann als Nachhaltigkeitsberater bei thinkstep und war später bei PostEurop und ISA Lille tätig. Seit 2013 ist er für die Österreichische Post AG tätig und verantwortet als Leiter des CSR- und Umweltmanagements die Nachhaltigkeitsaktivitäten des gesamten Konzerns.
 
Paul Janacek
Head of Group Vehicle Fleet, Österreichische Post AG
Paul Janacek wurde an der Rotterdam School of Management ausgebildet. Er begann seine Karriere bei T-Mobile Austria in der Finanz- und Revisionsabteilung, bevor er in den Bereich Group Customer Finance der Deutschen Telekom AG wechselte. Seit 2015 ist Paul bei der Österreichischen Post AG tätig, wo er als Leiter des Konzernfuhrparks für über 10.000 Fahrzeuge verantwortlich ist und die Umstellung auf E-Mobilität betreut.

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