Unsere KI kann Risiken vorhersagen

Krystle Lippert

3 Min. Lesedauer

Lieferkettenausfälle, Nachhaltigkeit, Daten-Analytics & KI: Lisa Smith, Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Prewave, einer KI-basierten Supply-Chain-Intelligence-Plattform, im Gespräch mit Krystle Lippert, Strategic Sales Managerin bei GrECo.

Lippert: Du hast Prewave bereits 2017 auf Basis eines Prototypen gegründet, den du im Zuge deiner Doktorarbeit an der Technischen Universität Wien entwickelt hast. Wie kam es dazu, dass du dir damals schon Gedanken zu Themen gemacht hast, die heute aktueller sind denn je? Ich denke da an Lieferkettenausfälle, Nachhaltigkeit, Data-Analytics und Künstliche Intelligenz (KI).

Smith: Im Rahmen meiner Forschung an der TU Wien erkannte ich, dass es eine große Herausforderung für das Lieferkettenmanagement ist, sich der Ereignisse aller Lieferanten bewusst zu sein. Risiken aber auch Disruptionen wie Feuer, Menschenrechtsverletzungen oder Umweltverschmutzung bleiben oft unerkannt.

Die Arbeit an technisch komplexen Projekten wie der Verarbeitung natürlicher Sprache hat gezeigt, dass es eine Vielzahl digitaler Datenquellen gibt, die uns helfen können, Einblicke in das globale Geschehen zu gewinnen. Das brachte mich auf die Idee, die neu gewonnenen Daten zu nutzen, um Risikoereignisse in der Lieferkette aufzuspüren und Vorhersagen über künftige Ergebnisse zu treffen. In meiner Dissertation beschäftigte ich mich fünf Jahre lang damit, bis ich schließlich mit Harald Nitschinger die Firma Prewave gründete.

Lippert: Eure Kerntechnologie, die Prewave Prediction Engine, ermöglicht es, Risikoereignisse auf globaler Ebene zu erkennen, Tage und manchmal sogar Wochen bevor sie eintreten. Kannst du uns Beispiele nennen, wie ihr Kunden dadurch einen Vorteil verschafft habt? Woher kommen die Daten und wie lernt eure KI, relevante Informationen zu unterscheiden und zu filtern?

Smith: Der Kern unserer Technologie ist unser Monitoring. Durch das kontinuierliche Beobachten einer Vielzahl von Datenquellen erkennen wir Risikoereignisse, die Lieferanten betreffen. Unsere KI ist speziell darauf ausgerichtet, solche Ereignisse richtig zu verstehen und einzuordnen. Ein Streik kann auf Englisch z. B. Streik bedeuten, aber auch ein Blitzeinschlag – und genau hier erkennt unsere KI anhand des Kontextes, wann ein relevantes Risiko besteht. Oftmals lassen sich Risiken anhand von verschiedenen Indikatoren auch vorhersagen. Bei einer Insolvenz gibt es beispielsweise schon sehr früh Anzeichen, die man aufgreifen kann.

Unsere Technologie nutzen wir auch, um komplexe Lieferketten im sogenannten Tier-N-Monitoring zu scannen. Dadurch können nicht nur Risiken in der tieferen Lieferkette erkannt, sondern auch Abhängigkeiten aufgedeckt werden. Zu Beginn des Ukraine-Konflikts konnten wir so die indirekten Abhängigkeiten der Lieferanten unserer Kunden aufzeigen und ihnen ermöglichen, systemische Risiken zu vermeiden.
Aktuell bietet Prewave eine umfassende Dienstleistungspalette an, die auf verschiedene Geschäftsbereiche angewendet werden kann. Unser Fokus liegt dabei auf Nachhaltigkeit und ESG, mit dem Ziel, Störfälle und finanzielle Risiken zu identifizieren und unseren Kunden zu helfen, die Gesetze einzuhalten.

Mithilfe von Lieferantenlisten, die unsere Kunden bereitstellen, können wir die Lieferantenbasis rückwirkend und in Echtzeit bewerten, kritische Lieferanten identifizieren und feststellen, wo Maßnahmen gesetzt werden müssen. Wir haben eine Komplettlösung bis hin zur Berichterstattung an das BAFA geschaffen, die auch für alle zukünftigen Gesetzgebungen angepasst wird. Unser Ziel ist es, dass unsere Kunden sich sicher fühlen, um sich auf den Erfolg ihres Unternehmens konzentrieren zu können. Mit anderen Worten: Prewave kann Lösungen zur Risikominderung für Unternehmen jeder Branche anbieten.

Lippert: Welche Herausforderungen bzw. künftige Innovationen werden das Lieferkettenmanagement in den nächsten Jahren prägen und welche Rolle kommt der KI dabei zu?

Smith: Was sich heute schon abzeichnet, ist der Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Gesetze wie das LkSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) entstanden letztendlich aus dem Bedürfnis der Konsumenten nach fairer und nachhaltiger Geschäftspraktik. Diese Welle wird auch weitere Kreise im Rest der Welt ziehen, und das Thema Nachhaltigkeit wird an Bedeutung gewinnen. Die Stärke der KI liegt vor allem darin, riesige Datenmengen schnell durchforsten zu können, was gerade im Procurement und Supply Chain Bereich unerlässlich ist. Bei Großkonzernen, die häufig über 50.000 Lieferanten haben, ist die Beobachtung ohne KI einfach undenkbar. Prewave verfolgt hier entschlossen und leidenschaftlich das Ziel, die Lieferketten von morgen transparenter, widerstandsfähiger und nachhaltiger zu machen. Das ist unsere Mission seit unserer Gründung im Jahr 2017.

Krystle Lippert

Krystle Lippert

Strategic Sales Manager
GrECo International AG

T +43 664 962 40 37

Ante Banovac, GrECo Head of Group Sales & Market Coordination

Lisa Smith

Geschäftsführerin Prewave

T +43 1 30 50 743

Dr. Lisa Smith ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Prewave, einer globalen, KI-basierten Supply-Chain-Intelligence-Plattform. Sie promovierte 2017 in Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Wien. Ihre Forschung führte zu dem Spin-off Prewave, das sie 2017 gemeinsam mit Harald Nitschinger gründete. Ihre Mission lautet: Die Lieferketten von Morgen transparenter, resilienter und nachhaltiger zu machen.

Prewave

Prewave läutet eine neue Ära der Transparenz, Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit ein. Mit dem Ziel, Lieferketten zu verbessern, nutzt Prewave öffentlich verfügbare Daten aus lokalen Nachrichten, sozialen Medien und anderen Datenbanken, um indirekte Lieferanten aufzudecken und so Risiken zu erkennen und aufzuzeigen. Prewaves KI-Algorithmus analysiert Quellen in mehr als 50 Sprachen und über 140 Risikokategorien, um sicherzustellen, dass keine Störung unbemerkt bleibt. Prewave deckt dabei den kompletten Lieferketten-Risiko-Lebenszyklus ab und ermöglicht es Unternehmen, die Anforderungen von Gesetzen wie etwa dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz einfach und effizient umzusetzen.

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