DonauChemie-Pischelsdorf-Industriepark

Mehr Sicherheit in Beschaffung und Logistik für die Donau Chemie

Krystle Lippert

4 Min. Lesedauer

Krystle Lippert spricht mit Dr. Gerald Dums, Leiter des technischen Einkaufs & Logistik der Donau Chemie AG. Das Unternehmen aus Wien gehört zu den größten Chemieunternehmen im Bereich der Herstellung und Distribution von Grundchemikalien wie z. B. Chlor, Natronlauge, Salzsäure, Schwefelsäure und Kalziumkarbid, der Herstellung von anwendungspezifischen Mischungen und die Herstellung und den Vertrieb von Aktivkohlen. Donau Chemie Produkte stecken vor allem in Kosmetik, Haushalt und Technik.

Die vergangenen Jahre haben auch die Schattenseiten der Globalisierung spürbar vor Augen geführt, die uns lange Zeit ein stabiles Wirtschaftswachstum beschert hat. Die Folgen der negativen Ereignisse sind Handelsströme bzw. Lieferketten, die unterbrochen werden, Staus bei Aufträgen, steigende Energie- und Transportkosten etc.  Egal ob die Ereignisse der letzten Jahre oder die aktuellen geopolitischen Entwicklungen, wie der Ukrainekrieg; Nearshoring und „Glokalisierung“ rücken immer mehr in den Vordergrund.

Lippert: Die Donau Chemie hat den Trend bereits lange vor dem Anfang der Pandemie und dem damit verbundenen Anfang der Lieferkettenproblematik erkannt und in Pischelsdorf bereits 2019 mit dem Spatenstich für eine neue Anlage zur Erweiterung ihres Produktportfolios begonnen. Hier ist Europas erste Produktionsanlage zur Herstellung von Amidosulfonsäure entstanden. Wie kam es zu dieser Entscheidung und welche Rolle spielt dabei die Überlegung kurzer Einkaufs- und Vertriebswege?

Dums: Kurze Liefer- und Vertriebswege und somit die Nähe zum Kunden sind für uns als DC ein wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Neben der Qualität und Verfügbarkeit unser Produkte gehören aber auch die persönliche Betreuung, kurze Reaktions- und Lieferzeiten sowie eine hohe Verlässlichkeit zu den Säulen unseres Erfolges und werden von unseren Kunden sehr geschätzt. Aufgrund unserer „Kundennähe“ wurde erkannt, dass der Markt Amidosulfonsäure nicht in Europa erwerben kann und auf Lieferungen aus Asien angewiesen ist. Dies war Auslöser für weitere Recherchen bzgl. einer Realisierung am Standort in Pischelsdorf. Die gute Verfügbarkeit der Rohstoffe und die perfekte Möglichkeit der Lagerung und des Vertriebes vom Standort in Niederösterreich beeinflussten die Machbarkeitsstudie positiv.
 
Lippert: Nachdem es für diesen Kernprozess noch keine vergleichbaren Anlagen in Europa gab, muss der Zulauf ihrer Kunden in Zeiten der Pandemie groß gewesen sein, nachdem vor allem China bis heute mit Lock-Downs kämpft? Welche Rolle spielt für ihre Kunden Einkaufs- und Logistik-Resilienz?
 
Dums: Schon während der Machbarkeitsstudie vor der Corona Pandemie erhielten wir von den potentiellen europäischen Kunden positive Signale und Rückmeldungen zu unserer Idee eine Amidosulfonanlage in Pischelsdorf zu errichten. Mehr Flexibilität durch kürzere Lieferzeiten, eine höhere Versorgungssicherheit, keine Qualitätseinbußen durch lange Seetransporte und rasche Verfügbarkeit spielten neben einer hohen Produktqualität und den immer mehr an Bedeutung gewinnenden ökologischen Aspekten in den Augen der potentiellen Kunden eine entscheidende Rolle. Ein zusätzlicher, europäischer Anbieter erhöht natürlich die Einkaufs- und Logistik-Resilienz der Kunden. Dies zeigte sich leider während des Lock-Downs auf dramatisch negative Weise. Ware war innerhalb weniger Tage nicht mehr verfügbar, Transportmittel Mangelware, Häfen verstopft, Transportwege gesperrt.  Kunden suchten verzweifelt und zum Teil vergeblich nach Ware bzw. Transportmöglichkeiten. Die Preise für das „weisse Pulver“ schossen in wenigen Wochen durch die Decke. Schaffung von Einkaufs- und Logistik-Resilienz war plötzlich wieder in aller Munde. Das Aufzeigen gewisser Abhängigkeiten von Produzenten und Logistikströmen unterstrich nochmals unsere Entscheidung die einzige Amidosulfonsäureanlage in Europe – in Österreich – zu planen und zu bauen.
 
Lippert: Was erleben Sie im internationalen Wettbewerb mit asiatischen Anbietern? Wie wird kurzfristige Verfügbarkeit vs. Preis von ihren Kunden bewertet?
 
Dums: Die Pandemie-Krise und der Ukraine-Russland Konflikt zeigen, dass die globalen Warenströme rasch ins Stocken geraten und somit existentielle Krisen bei den Kunden entstehen können. Ausgehend davon, dass auch mittelfristig diverse Krisen die Weltwirtschaft entscheidend beeinflussen bzw. Preise diktieren sind kurze Lieferwege und stabilere (europäische) Rahmenbedingungen in den Betrachtungsfokus der Kunden gerückt. Mit dem Vorteil als lokaler Produzent konnten wir auch unter den erschwerten Rahmenbedingungen unsere Kunden weiterhin mit wichtigen Industriechemikalien versorgen. Produktpreise spielen natürlich eine Rolle – aber verlässliche Qualität, Versorgungsicherheit, Flexibilität und kurze Lieferwege sind verstärkt Entscheidungsfaktoren der Kunden.
 
Lippert: Beim GrECo Risikotag haben wir gehört, dass laut Logistikexperten davon auszugehen ist, dass die Komplexität der Lieferketten einen Peitscheneffekt verursachen wird. Sehen Sie das ähnlich?
 
Dums: Ja, das sehe ich genauso. Die vorherrschende Komplexität und Abhängigkeit in der globalen Produktions- und Transportwirtschaft funktioniert nur bei optimalen Rahmenbedingungen – Abweichungen in diesem Systems, egal in welche Richtung, schlagen auf allen Ebenen durch. Die Folgen sind gerade jetzt sichtbar und werden wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren noch für einige Überraschungen sorgen. Planung, Transparenz, Implementierung resilienter Systeme gepaart mit weitsichtiger Managementqualität können hier sicherlich weiterhelfen.
 
Lippert: Ist dieses Verhalten eine wirkliche Entscheidung der Kunden oder auch gesteuert durch die Politik, wenn man sich vor Augen hält, dass die Globalisierung und die Suche nach immer günstigeren Alternativen über der heimischen Wertschöpfung und kurzen Lieferwegen lag?
 
Dums: Die Grundsätze der freien Marktwirtschaft und die Globalisierung haben sicherlich zum Wohlstand unsere Gesellschaft beigetragen und somit ihre Berechtigung und Gültigkeit. Eine kritische Begutachtung, Beurteilung und Anpassung zur Lösung der globalen existentiellen Überlebens-Krisen und somit zur Sicherung unseres Planeten wäre wünschenswert und meine Meinung auch längst fällig. Politische Entscheidungsträger sind wesentliche Weichensteller für unseren zukünftigen Lebens- und Wirtschaftsraum. Schaffung eines langfristigen, nachhaltigen Wohlstands muss unser gemeinsames Ziel sein – Neustrukturierungen von Wirtschaftsräumen, Transportwegen und Lieferketten können hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Unsere Projekt Amidosulfonsäureanalge ist dazu ein sehr gutes Beispiel.

DonauChemie-Brueckl

Donau Chemie in Brückl, Kärnten

Lippert: Plant die Donau Chemie in Hinblick auf die Energiekrise in Europa auch neue Fabriken an neuen Standorten, bzw. ist es attraktiv, weiterhin in Europa zu produzieren?
 
Dums: Die Donau Chemie Gruppe setzt auf organisches Wachstum. Darüber hinaus evaluieren wir Möglichkeiten zur Erweiterung unseres Portfolios, wie zuletzt mit der Amidosulfonsäureproduktion, die wir nach Europa zurückgebracht haben, oder aber zur Erschließung neuer Märkte. Allein in den letzten zwei Jahren wurden rund 35 Millionen das Werk in Brückl/Kärnten investiert. Es wurde ein neues Distributionslager samt Abfüllung errichtet, dazu kommen eine neue Synthese mit Wärmeauskoppelung und eine Salzaufbereitung für solargetrocknetes Meersalz.

Über Donau Chemie:

Das in Wien ansässige Unternehmen zählt zu den größten im Chemiesektor. Es produziert und vertreibt Basischemikalien wie Chlor, Natronlauge, Salzsäure oder Calciumcarbid, stellt anwendungsspezifische Verbindungen her und produziert und vertreibt Aktivkohlen. Die Produkte der Donau Chemie finden sich vor allem in Konsumgütern aus den Bereichen Kosmetik, Haushalt und Technik wieder.

Dr. Gerald Dums

Leitung technischer Einkauf und Logistik Donau Chemie AG

Krystle Lippert

Krystle Lippert

Strategic Sales Manager
GrECo International AG

T +43 664 962 40 37

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