Kann das Zusammenwirken von „Mensch und Maschine“ die Planbarkeit und Vermeidung bzw. Verminderung künftiger Risikopotenziale positiv beeinflussen?
Wird durch die Künstliche Intelligenz die Toolbox des Risikomanagers revolutioniert?
Open AI hat mit seinem textbasierten Dialogsystem, dem Chatbod ChatGPT, in den letzten Monaten ein neues Kapitel in der Geschichte des „massentauglichen“ Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) geschrieben. Bei vielen Unternehmen zählt KI jedoch bereits seit längerem zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren. Digitale Zwillinge, Simulationen bzw. intelligente Maschinen helfen, Innovationen zu beschleunigen, Qualitätsmanagement und Produktionsprozesse zu optimieren oder die Effizienz und Lebensdauer ganzer Anlagen zu verbessern.
Sorgt Smart Risk Management für mehr Transparenz und Sicherheit? In welchen Einsatzgebieten wird KI künftig punkten? Wie valide sind die Ergebnisse oder liegt die Krux im Detail? Das sind nur einige der Fragen, die sich Risikomanager jetzt stellen sollten.
Fünf Gründe für die Symbiose von Risikomanager und KI
- KI wird eingesetzt, um die genaue Analyse und Bewertung bestehender Risiken zu ermöglichen. KI-Systeme sind in der Lage, komplexe Datenmuster und Beziehungen in der Risikobewertung zu erkennen. Zum Beispiel kann ein KI-System genutzt werden, um systematische Risiken zu bestimmen, indem es Mustererkennungstools und maschinelles Lernen nutzt. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen, die das Risiko erhöhen, besser identifiziert.
Ein Blick in die Praxis: KI-basiertes Lieferkettenmanagement kann durch das Monitoring einer Vielzahl von Datenquellen Risikoereignisse für Lieferanten aufspüren und zukünftige Ergebnisse in der Lieferkette vorhersagen. - KI trägt dazu bei, Risikomanagement-Prozesse effizienter zu gestalten, indem sie automatisierte Alarme, vorhergesagte Warnungen und automatisierte Entscheidungen bereitstellt.
Ein Blick in die Praxis: Durch den Einsatz von KI kann die vorausschauende Instandhaltung von Systemen und Strukturen, wie etwa von Maschinen und Gebäuden, noch vor Auftreten eines Problems erfolgen. Dadurch werden Störungen bzw. Ausfallzeiten verhindert oder minimiert. - KI kann die Wirksamkeit bestehender Risikomanagement-Prozesse überwachen, indem sie Risiko- und Kostenanalys
Ein Blick in die Praxis: Speziell im Finanzbereich, z. B. bei Kreditrisiken können großen Datenmengen zum Zahlungsverhalten von Kunden, deren Finanzlage, historische Kreditvergabepraktiken und andere Faktoren analysiert werden, um den Vergabeprozess zu optimieren oder Abweichungen zu identifizieren. - Mit KI können mögliche Risiken identifiziert und vorhergesagt werden, indem sie maschinelles Lernen für Prognosen über künftige Risikobereiche nutzt.
Ein Blick in die Praxis: Dynamische Risikomodellierungen von Klimarisiken können strategische Entscheidungen – z. B. für die Standortwahl zur Errichtung/den Erwerb neuer Schlüsselstandorte – unterstützen. - Schließlich trägt KI dazu bei, mögliche Risiken zu überwachen, indem sie kontinuierlich nach potenziellen Risiken in der Umgebung sucht bzw. Alarme auslöst, wenn sie erkannt werden.
Ein Blick in die Praxis: KI kann Daten über die Aktivitäten von Mitarbeitern in risikoreichen Umgebungen verarbeiten und analysieren. Das kann insbesondere für Umgebungen, in denen gefährliche oder tödliche Unfälle drohen, hilfreich sein, um die Sicherheit zu verbessern. KI-Algorithmen können Verhaltensmuster auswerten, die vor Unfällen festgestellt werden. So lassen sich Vorhersageszenarien durchführen, die Sicherheitsverfahren verbessern und Vorfälle verhindern.
Datenqualität ist „key“
Während KI-Systeme in der Lage sind, komplexe Datenmuster zu erkennen und zu verarbeiten, sind ihre Ergebnisse nur dann vollständig nachvollziehbar und valide, wenn sie auf eine hochwertige, korrekte und aussagekräftige Datenbasis zurückgeführt werden können.
Die Verifizierung von KI wird die künftige Herausforderung für den Risikomanager sein, da KI-Systeme auch sehr komplexe und undurchsichtige Entscheidungen treffen können. Folgende 6 Punkte sollten unbedingt beachtet werden, um KI-Daten zu verifizieren und richtig zu interpretieren:
- Überprüfen der Datenqualität:
KI-Systeme sind nur so gut wie die Daten, auf denen sie trainiert werden. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Daten, die zur Erstellung der KI-Modelle verwendet wurden, qualitativ hochwertig sind und frei von Verzerrungen oder Manipulationen. - Überprüfen der Trainingsprozesse:
Es ist wichtig zu verstehen, wie KI-Modelle trainiert und welche Parameter verwendet wurden. Das trägt dazu bei, die Integrität der Modelle zu gewährleisten. - Testen der KI-Modelle:
Das Testen auf verschiedenen Datensätzen kann die Genauigkeit und Vorhersagefähigkeit des Modells bestätigen. - Verwenden von Erklärbarkeitsmethoden:
Wenn KI-Modelle undurchsichtig sind, können Erklärbarkeitsmethoden, wie beispielsweise Entscheidungsbäume, verwendet werden, um die Entscheidungen der Modelle zu visualisieren und zu verstehen. - Verifizieren der Ergebnisse:
Die Ergebnisse der KI-Modelle sollten regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Modelle weiterhin korrekt arbeiten und Änderungen in Geschäftsprozessen oder Daten berücksichtigt werden. - Überprüfung durch unabhängige Experten:
Schließlich kann es sinnvoll sein, den Einsatz von KI-Modellen von unabhängigen Experten überprüfen zu lassen, um die Genauigkeit und Integrität der Modelle zu bestätigen.
Fazit
Für den Risikomanager sind KI-Systeme mittlerweile ein wichtiges Instrument in seiner Toolbox, das ein wirksames, effizientes Risikomanagement unterstützt. Es ermöglicht ihm schneller und präziser zu handeln, Risiken zu identifizieren und zu bewerten, bevor sie sich zu einer potenziellen Bedrohung entwickeln. Darüber hinaus muss er in der Lage sein, die Ergebnisse der KI-Systeme zu verstehen und zu interpretieren, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse nachvollziehbar sind.
Die Versicherungsbranche – und hier speziell die Rückversicherer mit ihren F&E Aktivitäten – zählt zu den Branchen, die auf KI setzen und darin ein enormes Potenzial erkannt haben.
Durch KI-unterstützte Datenanalysen werden Versicherer und ihre Kunden ein wesentlich tieferes Verständnis der Risiken entwickeln, so dass diese effektiver verringert oder ein Stück weit über neue Versicherungslösungen abgesichert werden können, egal ob im Bereich von Naturkatastrophen, im Gesundheitsbereich oder im Zusammenhang mit Finanz-, ESG- oder geopolitischen Risiken.
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