Supply Chain Managers as Crisis Managers

Supply Chain Manager werden immer mehr auch zu Krisenmanager

Johannes Vogl

General Manager GrECo Risk Engineering

2 Min. Lesedauer

Gerade in den letzten zwei Jahren waren die Lieferketten unvorhergesehen Risiken ausgesetzt. Die Auswirkungen der Pandemie, die Suezkanalsperre durch die Evergiven, und nun die Störungen durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine waren nur der Anfang. Worauf müssen wir uns noch gefasst machen?

Wir leben in bewegten Zeiten, die Welt befindet sich im Wandel. Grundsätzlich ist Wandel wichtig und gut, aber derzeit erleben wir einen Wandel in neuem Ausmaß und Dynamik. Diese Dynamik und ihre Auswirkungen gilt es für Unternehmen zu managen, das ist für viele eine große Herausforderung.

Die Globalisierung sortiert sich neu

Wir sind in Europa von der Globalisierung abhängig. Europa ist einer der größten Exporteure weltweit, Export beschert uns Wohlstand. Zudem sind unsere Wertschöpfungs- und Lieferketten stark abhängig von den Ländern des globalen Südens, speziell als Rohstofflieferanten von beseelten Erzen und Metallen. Dazu kommen noch die wesentlich geringeren Kosten für Energie und Arbeitskraft. Die Fähigkeit internationaler Zusammenarbeit – insbesondere auch in der gemeinsamen Bewältigung systemischer Risiken, wie den Klimawandel – ist daher ein Schlüsselfaktor.
 
Große Nationen des globalen Südens, wie beispielsweise Indien, werden wirtschaftlich immer stärker. Als Alternative zu China profitiert Indien von den aktuellen geopolitischen Spannungen. Die Investitionen internationaler Konzerne steigen und Analysten prophezeien Indien ein Jahrzehnt des starken Wirtschaftswachstums. Von Entwicklungen wie dieser, leiten sich Risiken aber auch Chancen in unseren Wertschöpfungs- und Lieferketten ab, die wir antizipieren müssen.
 
Gleiches gilt für andere Auswirkungen geopolitischer Konstellationen, wie Sanktionen, Einfuhrbeschränkungen oder die Veränderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie das Lieferkettengesetz. Supply Chain Manager werden immer mehr auch zu Krisenmanager. Die Kosteneffizienz im Einkauf verliert an Stellenwert. Neben der Qualität und Liefertreue werden auch Themen wie beispielsweise geographische, geopolitische und ESG-Kriterien in das Lieferketten-Management einfließen. Wir sehen in diesen Entwicklungen eine besondere Herausforderung für Unternehmen des KMU-Sektors.

Eintauchen in die Lieferkette

Wesentlich ist, die Lieferkette in zwei Schritten zu beleuchten, erstens die eigenen Lieferanten, zweitens aber auch die Risikopotenziale deren Lieferanten. Die Analyse und Bewertung der eigenen Lieferanten sind mitunter schon schwierig genug. Schritt zwei bedeutet tiefer in die Lieferketten einzutauchen. Es gilt dabei zumindest den eigenen Lieferanten zu sensibilisieren und dessen Lieferantensysteme und -audits zu checken. Es ist wichtig, sogenannte „weiße Flecken“ zu identifizieren, um eine Entscheidung über die Risikotragung zu treffen, gegebenenfalls auch dafür entsprechende Bewältigungsstrategien abzuleiten.
 
Das kann sein „Vermeiden im Sinne von diversifizieren“, d. h. neue Lieferanten, neue Märkte zu finden oder andere Logistiksysteme zu bedienen, alternative Technologien zu verwenden, um die Abhängigkeit von einem Rohstoff zu reduzieren. Wesentlich ist der Schritt zum akzeptierten Risiko. Dieser kann auch über den klassischen Risikotransfer mit Versicherungslösungen führen, auch wenn die Versicherbarkeit von systemischen Risiken oft an ihre Grenzen stößt. Das heißt „Sicherheit geht vor Versicherung“. Das akzeptierte Risiko, das man zum Schluss selbst trägt, sollte bekannt und bewertet bzw. laufend überwacht sein. „Transparenz“ ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im Lieferketten-Management.

Systemische Risken und schwarze Schwäne

Bei Umgang mit systemischen Risiken bzw. mit schwarzen Schwänen in der Lieferkette stellt sich die Frage, ob die Gefahr „selbst beeinflusst werden kann“. Ist die Antwort ja, so ist Risk Management, Qualitäts-, Sicherheits- und Umweltmanagement (QSU) oder Risikotransfer über Versicherungsmanagement gefragt. Ist die Antwort nein, so gilt es sich mit vorbeugenden Maßnahmenkonzepten wie Krisenmanagement, Notfallplanung, Business Continuity Management und Resilienz Management auf unerwartete oder auch bis dato unbekannte Ereignisse bestmöglich vorzubereiten. Flexibilität wird dabei zu einem der wesentlichen Erfolgsfaktoren.

Michael Brunner

Johannes Vogl

General Manager GrECo Risk Engineering

T +43 5 04 04 – 160

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